BILANZ EINER HERZENSSACHE: 30 Jahre Sternsingerleitung

Heddesheim. Es war ein Nachmittag voller Nostalgie, Dankbarkeit und beeindruckender Zahlen: Am Sonntag, den 11. Januar lud die Pfarrei Sankt Remigius in ihr Gemeindehaus ein. Ab 13:30 Uhr blickten zahlreiche Gäste bei Sekt, Kaffee und Kuchen auf eine fast 50-jährige Tradition zurück, die das soziale Leben in Heddesheim maßgeblich geprägt hatte.

Dank und Anerkennung für Ursi

Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten standen die Verdienste von Ursula Fritz-Klumpp, gewürdigt durch zahlreiche Wegbegleiter und Ehrengäste. Den Auftakt machten die Dankesworte von Martin Heinz vom Gemeindeteam, der in Stellvertretung für Pfarrer Stößer sprach und die verlässliche Zusammenarbeit hervorhob. Auch Pfarrer Balbach und der scheidende Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Petrus van Nunen schlossen sich mit persönlichen Worten des Dankes an. Die Bedeutung ihres Wirkens für die gesamte Kommune unterstrich Bürgermeister Weitz, der ihr seine besondere Anerkennung aussprach.

Ein emotionaler Höhepunkt war die Hommage ihres Begleiterteams. Mit viel Kreativität und Herzblut präsentierten sie eigens auf sie umgedichtete Sternsingerlieder. Als Zeichen der Verbundenheit trugen die Anwesenden Buttons mit der Aufschrift: „Die Sternsinger sagen Danke, Ursi“.

Auch die Präsente spiegelten die tiefe Wertschätzung wider: Neben einer kunstvollen Feuerkugel für den heimischen Garten wurde ihr eine ganz besondere Ehre zuteil – ein am Himmel stehendes Sternbild, das offiziell nach ihrem Namen benannt wurde. Damit bleibt ihr Engagement für die Sternsinger dauerhaft mit den Sternen verbunden.

Eine Ära des Engagements: Ursula Fritz-Klumpp

Seit 1996 leitet Ursula Fritz-Klumpp die Sternsingeraktion in Heddesheim ehrenamtlich – eine Aufgabe, in die sie über Jahrzehnte hinweg großes Engagement und viel Enthusiasmus steckte. Die Bilanz ihrer Amtszeit ist rekordverdächtig: Über 137.000 Euro an Spenden kamen in diesen Jahren für Kinder in Not zusammen. Über 160 Jugendliche und junge Erwachsene unterstützten sie in dieser Zeit bei der Vorbereitung und Begleitung der Gruppen. Die Zahl der jährlich teilnehmenden Kinder wuchs dabei von anfänglich 19 auf über 50 in diesem Jahr.

Dass diese logistische Meisterleistung Jahr für Jahr reibungslos funktioniert, ist eine Teamleistung, weshalb der Nachmittag auch im Zeichen besonderer Ehrungen stand. Für ihren langjährigen ehrenamtlichen Einsatz wurden ausgezeichnet:

  • Ricarda Nitsche und Daniela Ebert (30 Jahre im Begleiterteam)
  • Katarina Ivkovic und Corina Baum (über 20 Jahre im Begleiterteam)
  • Filip Ivkovic, Linda Volz, Leonie Wessling und Marina Stano (über 10 Jahre)
  • Jörg Klumpp für Homepage, Sternsingerdatenbank, Erstellung von Urkunden und Fotodokumentation seit 28 Jahren

Von den Anfängen bis zum Kanzleramt

1982 erstes Sternsingerbild aus Heddesheim

Die gezeigten Bilder und Videos dokumentierten den weiten Weg der Aktion. Den Grundstein legten 1977 die Ministranten – damals noch eine reine Jungengruppe. Wann genau die ersten Mädchen dazukamen, ließ sich nicht mehr exakt rekonstruieren, doch spätestens 1984 waren die ersten weiblichen Sternsinger mit von der Partie. Unsere bislang älteste uns bekannte Aufnahme ist ein Bild aus dem Jahr 1982.

Ein besonderer Höhepunkt der Chronik war das Jahr 2008: Damals reisten vier Heddesheimer Sternsinger gemeinsam mit Ursula Fritz-Klumpp nach Berlin zum Empfang bei der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dieses Ereignis markierte auch eine optische Wende: Ab diesem Zeitpunkt wurden sukzessive eigene, prachtvolle Sternsingergewänder genäht, die die bis dahin üblichen Ministrantengewänder nach und nach ablösten.

Sternsinger digital: Die Herausforderung 2021

Ein besonderes Kapitel der Rückschau widmete sich dem Ausnahmejahr 2021. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten die traditionellen Hausbesuche erstmals in der Geschichte ausfallen. Abstand halten und Maske tragen prägten den Alltag, doch die Heddesheimer Sternsinger bewiesen Erfindergeist: Zum ersten Mal wurde der Aussendungsgottesdienst live im Internet übertragen. Zudem gab es einen eigens erstellten Online-Segen, den die Bürger über die Homepage sternsingerhd.de abrufen konnten – ein digitaler Meilenstein, der den Segen trotz Kontaktbeschränkungen in die Wohnzimmer brachte.

Ein lebendiges Archiv im Remigiushaus

Der Tag im Remigiushaus machte deutlich, wie aus der anfänglichen Initiative einer kleinen Gruppe eine feste Säule der Gemeinde gewachsen war. Die Gäste nutzten die Gelegenheit, in alten Aufnahmen zu stöbern und die Entwicklung von den schlichten Anfängen bis hin zur Integration in den neuen Pfarreiverband Nordbadische Bergstraße nachzuvollziehen. Es war ein würdiger Abschluss und zugleich eine Anerkennung für Tausende von Kilometern, die für den guten Zweck zurückgelegt worden waren.